Kaff der guten Hoffnung
15 05 2008
Was ist das: Es ist schwarz und hängt an der Wand? Ein schlechter Elektriker. Und was ist rot und hängt daneben? Sein Kollege, der glüht noch. Ha. Ha. Grenzenlos witzig. Seit gestern Abend kann ich darüber ja nicht mehr so lachen. Im Rahmen unseres Umzugs wollten wir bei meinem Bruder meinen alten großen Deckenventilator abmontieren und in unser neues Schlafzimmer hängen. Leider war da doch noch etwas mehr Saft drauf, als vermutet. 230 Volt um genau zu sein. Als ich einen lichtblitzenden Augenblick etwa einen Meter weiter wieder zu mir kam, wusste ich mal wieder aus unmittelbarer Erfahrung, dass mit Strom nicht zu spaßen ist. Das sah die Rettungsleitstelle und die medizinische Notaufnahme ein EKG später übrigens genauso, weswegen sie mich auch gleich auf Station dabehielten. Bis zu 24 Stunden nach einem solchen Stromschlag kann es zu – im schlimmsten Fall tödlichen – Herzrhythmusstörungen kommen. Und so verbrachte ich also angeschlossen an einen Puls/EKG-Monitor mit stündlicher Blutdruckmessung die letzte Nacht im Krankenhaus. Die haben da zwar tolle neue Betten, aber so kuschelig können die es mir gar nicht machen, dass ich freiwillig dort bleiben würde. Also habe ich mich auf eigene Gefahr heute Morgen wieder entlassen, nachdem bis heute Morgen beim EKG keine Auffälligkeiten festgestellt wurden.
Schöner Einstand für unser triumphale Comeback ins Kaff der guten Hoffnung: Heilbronx. Die Stadt, die wir wie unsere Westentasche kennen. Kein Wunder wenn man darin aufwächst und fast drei Jahrzehnte hier verbracht hat. Aber der Umzug war eben auch durch meinen Job hier bedingt und so hieß es am vergangenen Wochenende zurück in die Zukunft. Ich bin wieder hier, in meinem Revier... Seltsamerweise haben auch die acht kurzen Monate Benztown eine gewisse Distanz verursacht. Aber home is, where the heart is und so gefällt uns unsere neue Wohnung immer besser und wir blicken freudig nach vorne auf alte Bekannte und Liebgewonnenes, aber vielleicht auch auf neue Dinge, die es zu entdecken gilt.
Den Abschied von Stuttgart letzte Woche haben wir uns mit ein paar Schmankerl versüßt: Zwar wollten wir donnerstags noch in die PopArt-Ausstellung in der Staatsgalerie gehen, sind dann aber durch einen glücklichen Zufall im Haus der Geschichte gelandet wo momentan eine Ausstellung zum Propagandafilm während des NS-Regimes ist. Im Rahmen dieses Programms wird auch der Film "Jud Süß" gezeigt, kostenlos zwar, aber gerade deswegen auf Monate ausgebucht. Als ich nachfragte, ob es denn nicht doch noch irgendwann eine Gelegenheit gäbe, den Film zu sehen, zwinkerte uns die Dame am Empfang des Hauses der Geschichte zu und reichte uns zwei Karten mit dem Hinweis, dass in zehn Minuten eine Vorstellung wäre und die vorbestellten Karten nun auch nicht mehr abgeholt würden. Da "Jud Süß" in Deutschland ein Vorbehaltsfilm ist, darf er nur im Rahmen eines Begleitprogrammes (Filmbesprechung) aufgeführt werden. Drei bedrückende Stunden später waren wir um diese intensive Erfahrung reicher. Wer die Möglichkeit hat, die Ausstellung zu besuchen, sollte dies unbedingt tun. Den Freitag ließen wir ausklingen, indem wir enspannt durch die Wilhelma schlenderten und zum letzten mal bei unserem Lieblings-Italiener in Cannstatt bestellten. Über den Samstag bei dem sich unser Umzugsservice eineinhalb Stunden verspätete hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens. Dank fleißiger Hände haben wir doch noch alles gut über die Bühne gebracht.
Tja und jetzt sitzen wir zwischen den letzten Kartons, die wir noch auspacken müssen. Beim Anschließen der Lampe heute war ich extrem vorsichtig (um nicht zu sagen respektvoll) und so haben wir wenigstens etwas gelernt. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
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Neues Spiel, neues Glück. Wieder eine Runde weiter im großen Casting des Lebens. Wie haben nicht schon die Fantastischen Vier so treffend festgestellt: "Du bist der Star in deinem Film deine Geschichte ist wahr. Der Film heisst Leben und in deinem Leben bist du der Star. Du drehst den Film dein Leben lang und schaust ihn nur einmal an, du bist der Hauptdarsteller Regisseur der Kameramann und du bist ganz nah bei dir und du machst was dir gefällt (ich schätze mal du bist wie wir zu geil für diese Welt)..."
Aber irgendwie wird jetzt auch in Deutschland ständig wegen allem gestreikt: Die Bahn, die Post, die niedergelassenen Ärzte, nochmal die Bahn, wieder die Post, die Ärzte der Kliniken,
schon wieder die Bahn... Ständig befindet sich irgendjemand im Arbeitsausstand. Das nimmt langsam Züge einer Bananenrepublik an. Nicht, dass ich falsch verstanden werde, ich finde das Recht zu streiken absolut sinnvoll. Aber wenn Arbeitskämpfe über Monate immer wieder Bereiche des öffentlichen Lebens lähmen, wird das scharfe Schwert des Streiks durch die inflationäre Häufigkeit stumpf, der Effekt nutzt
sich ab und die Wirkung verpufft.








Di, 20.05.2008
@Grisu: Pepi lass die Finger v on den Kabeln, da liegt [...]