Kaff der guten Hoffnung

15 05 2008

Was ist das: Es ist schwarz und hängt an der Wand? Ein schlechter Elektriker. Und was ist rot und hängt daneben? Sein Kollege, der glüht noch. Ha. Ha. Grenzenlos witzig. Seit gestern Abend kann ich darüber ja nicht mehr so lachen. Im Rahmen unseres Umzugs wollten wir bei meinem Bruder meinen alten großen Deckenventilator abmontieren und in unser neues Schlafzimmer hängen. Leider war da doch noch etwas mehr Saft drauf, als vermutet. 230 Volt um genau zu sein. Als ich einen lichtblitzenden Augenblick etwa einen Meter weiter wieder zu mir kam, wusste ich mal wieder aus unmittelbarer Erfahrung, dass mit Strom nicht zu spaßen ist. Das sah die Rettungsleitstelle und die medizinische Notaufnahme ein EKG später übrigens genauso, weswegen sie mich auch gleich auf Station dabehielten. Bis zu 24 Stunden nach einem solchen Stromschlag kann es zu – im schlimmsten Fall tödlichen – Herzrhythmusstörungen kommen. Und so verbrachte ich also angeschlossen an einen Puls/EKG-Monitor mit stündlicher Blutdruckmessung die letzte Nacht im Krankenhaus. Die haben da zwar tolle neue Betten, aber so kuschelig können die es mir gar nicht machen, dass ich freiwillig dort bleiben würde. Also habe ich mich auf eigene Gefahr heute Morgen wieder entlassen, nachdem bis heute Morgen beim EKG keine Auffälligkeiten festgestellt wurden.

Schöner Einstand für unser triumphale Comeback ins Kaff der guten Hoffnung: Heilbronx. Die Stadt, die wir wie unsere Westentasche kennen. Kein Wunder wenn man darin aufwächst und fast drei Jahrzehnte hier verbracht hat. Aber der Umzug war eben auch durch meinen Job hier bedingt und so hieß es am vergangenen Wochenende zurück in die Zukunft. Ich bin wieder hier, in meinem Revier... Seltsamerweise haben auch die acht kurzen Monate Benztown eine gewisse Distanz verursacht. Aber home is, where the heart is und so gefällt uns unsere neue Wohnung immer besser und wir blicken freudig nach vorne auf alte Bekannte und Liebgewonnenes, aber vielleicht auch auf neue Dinge, die es zu entdecken gilt.

Den Abschied von Stuttgart letzte Woche haben wir uns mit ein paar Schmankerl versüßt: Zwar wollten wir donnerstags noch in die PopArt-Ausstellung in der Staatsgalerie gehen, sind dann aber durch einen glücklichen Zufall im Haus der Geschichte gelandet wo momentan eine Ausstellung zum Propagandafilm während des NS-Regimes ist. Im Rahmen dieses Programms wird auch der Film "Jud Süß" gezeigt, kostenlos zwar, aber gerade deswegen auf Monate ausgebucht. Als ich nachfragte, ob es denn nicht doch noch irgendwann eine Gelegenheit gäbe, den Film zu sehen, zwinkerte uns die Dame am Empfang des Hauses der Geschichte zu und reichte uns zwei Karten mit dem Hinweis, dass in zehn Minuten eine Vorstellung wäre und die vorbestellten Karten nun auch nicht mehr abgeholt würden. Da "Jud Süß" in Deutschland ein Vorbehaltsfilm ist, darf er nur im Rahmen eines Begleitprogrammes (Filmbesprechung) aufgeführt werden. Drei bedrückende Stunden später waren wir um diese intensive Erfahrung reicher. Wer die Möglichkeit hat, die Ausstellung zu besuchen, sollte dies unbedingt tun. Den Freitag ließen wir ausklingen, indem wir enspannt durch die Wilhelma schlenderten und zum letzten mal bei unserem Lieblings-Italiener in Cannstatt bestellten. Über den Samstag bei dem sich unser Umzugsservice eineinhalb Stunden verspätete hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens. Dank fleißiger Hände haben wir doch noch alles gut über die Bühne gebracht.

Tja und jetzt sitzen wir zwischen den letzten Kartons, die wir noch auspacken müssen. Beim Anschließen der Lampe heute war ich extrem vorsichtig (um nicht zu sagen respektvoll) und so haben wir wenigstens etwas gelernt. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!


Countdown to Verpeilung

07 05 2008
So langsam neigt sich unsere Zeit in der Schwabenmetropole dem Ende entgegen. Noch zwei Tage zwischen leeren Möbeln und wir ziehen wieder zurück. Zurück in die Zukunft. Eine Zukunft mit alter Stadt, Leezas altem Weg zur Arbeit, neuer Wohnung für uns und neuem Job für mich. Noch längst haben wir nicht alles abgearbeitet, was wir hier so alles erleben wollten. Pop Art-Ausstellung in der Staatsgalerie, noch mal Wilhelma, Planetarium... Ich heute so zu meiner Herzdame "Wir könnten heute Abend in die Stadt, eine Kleinigkeit essen, danach ins Planetarium oder ins Kino?" Sie so "Prima Idee" Wir dann erst mal so rumgetrödelt und den Anfang der Planetariumsvorführung verpasst. Dann entschieden eine Kleinigkeit beim Straßenverkauf vom Pizza Hut zu holen und zum Kino zu schlendern. Im Kino erfahren, dass der gewünschte Film nicht kommt. Als Trost ein Nutella-Crepes gegessen. Zurück in Richtung Kino und überlegt, einen anderen Film zu schauen. Auch den Anfang dieses Films vertrödelt und stattdessen ein Yufka gegessen. Zurück zum Auto und auf dem Rückweg über den Häagen Dasz-Laden über den Marienplatz verfahren. War trotzdem ein schöner Abend.

Frau 1 und Frau 2

29 04 2008

Kollegin 1 tippt eifrig an ihrer Tastatur TIPTIPTIP... Dann ein beherzter Tastendruck und die Mail wird abgeschickt. Dabei verzieht sie keine Miene. Augenblicke später piept am anderen Ende des Büros Outlook und Kollegin 2 fängt an zu kichern HIHIHI... Beide werfen sich verschwörerisch schmunzelnde Blicke über drei Schreibtische hinweg zu. Kollegin 2 schnalzt mit der Zunge KLACK und tippt ihrerseits an einer Antwort TIPTIPTIP. Das gleiche Spiel rückwärts. So lustig haben es die beiden. Ab und zu (wenn sie mal wieder im Klartext lästern möchten) verschwinden sie auch schon mal für eine halbe Stunde in die leere Kantine oder in die Büros anderer Kollegen. Da können sie sich in Ruhe austauschen. Ja, so macht das Miteinander Spaß... Damit ihr wisst, um was für liebenswerte Exemplare es sich bei meinen beiden netten Kolleginnen handelt, stelle ich sie euch am besten kurz vor. Aber wie armselig muss eine Existenz mit 50 Jahren sein, damit einem solche Lästereien die einzigen kleinen Höhepunkte des Tages verschaffen? Im Grunde genommen kann es einem nur leid tun, wenn meine beiden Grazien hier, die offensichtlich kein eigenes Leben haben*, andere Menschen ständig kommentieren müssen, weil sie sonst überhaupt nichts zu reden hätten. Natürlich muss man sich nicht mit allen Kollegen gleich gut verstehen, man hat sich ja schließlich nur den Job, nicht aber das Umfeld herausgesucht. Aber so bißchen Anstand sollte man in dem Alter eigentlich gelernt haben...
Da fällt mir Hagen Rether ein: "Ach, was reg ich mich auf...?" Nur noch acht Tage.

Frau 1

Es gibt Frauen, an denen ist ein Mann verloren gegangen. Kurzhaar-Frisuren können Frauen fabelhaft stehen, aber manche bevorzugen sie auch nur, weil sie zu fantasielos für eine richtige Frisur sind. Das sieht dann so ein bißchen verkniffen aus und manchmal auch wie eine schlechte Perücke. Gerne trimmen sich solche Frauen auch auf superschlank, damit nicht noch einer entdeckt, dass hinter der gestählten flachen Brust doch noch eine Frau steckt. Desaströs wird es natürlich, wenn solche Frauen bevorzugt schwarzes Leder in Verbindung mit auffälligem Goldschmuck tragen. Das hat dann immer so einen billigen Ost-Domina-Chicque. Um zu beweisen, dass sie ihren Mann Frau stehen können, legen sie eine umso schrillere Art an den Tag. Die spröde schneidende Stimme gleicht im wahrsten Sinne des Wortes einem Reibeisen und hat ebensoviel Charme. Verbindlich oder freundlich geht schon gar nicht, „man muss ja schließlich nicht an Herzdrücken sterben, ne?“. Im Hintergrund wird die eigene Position gesichert, indem man intrigiert und tratscht, was das Zeug hält. Nur wer gut informiert ist, hat auch genug Pfeile in der Hand, wenn man sie dann braucht. Solche Frauen muss man sich nicht zum Feind machen, man hat sie schon zum Gegner, wenn man ihnen nur vorgestellt wird. Solche Frauen kennen keine Freunde, sondern nur temporäre Koalitionen. Mit diesen werden sich andere zurechtgelästert, bis sie in das bornierte eigene Weltbild passen – von Toleranz oder Empathie keine Spur.

Frau 2

Kennt ihr Frauen, die ständig mit der Zunge schnalzen und mit den Finger schnippen? Diese Art Frau, die immer ein bißchen zu viel mit den überdeutlich vorhandenen Hüften wackelt? Sie lacht künstlich zu oft und zu laut und hängt gerne eine regional gefärbte „neckische“ Verkleinerungssilbe an alle Wörter an. Dann wird in niedlichem Tonfall alles mit „Sotele“ (schwäbische Variante von "So", eigentlich "Sodele") oder „Schjo“ kommentiert (=so, Kurzform für Sotele). Diese Sorte Frau, die immer so ein bißchen beschwingt tut und das dadurch unterstreicht, das sie oft völlig sinnfrei unmelodisch etwas wie „La-di-da“ vor sich hinsummt? Wenn sie läuft, bleiben ihre offenen Schuhe an den Fersen kleben und schnalzen im Rhythmus ihrer Hüften beim Gehen. An ihr ist alles ein bißchen „zu“: zu affektiert, zu aufgesetzt, zu künstlich. Sie schafft sich selbst das Publikum und den Mittelpunkt, in dem sie gerne steht. Aber sie tut beschämt bescheiden, wenn sie wirklich endlich aufgefallen ist. Sie umspielt eine penetrante „Laissez-faire“ Attitüde, die jegliche altersbedingte reife und abgeklärte Entspanntheit vermissen lässt, stattdessen aber nur ihren krankhaften Drang nach Aufmerksamkeit bloßlegt. Gerne tragen solche Landfrauen Schwarz, weil sie das für weltgewandt und Avantgarde halten (und es super den voluminösen Hintern kaschiert), als Alternative gibt es schreiend bunte Papageien-Farben, weil die wiederum die Aufmerksamkeit sichern und den pseudo-künstlerischen Touch unterstreichen. Manchmal (viel zu oft) fällt die mühsam aufgebaute Fassade und die ordinäre Dorfherkunft offenbart sich; immer dann rollt ihr ein "da schei*t der Hund drauf" oder einfach nur dreimal in einem Satz "Shice" oder "Ka**e" über die Lippen. Ja, man kann die Frau aus dem Dorf bekommen, aber nicht das Dorf aus der Frau...

* Ich will ihnen nicht unrecht tun: Kollegin 1 hat ein pathologisch gestörtes Verhältnis zu ihren Eltern, drückt sich auf den Dorfbeerdigungen in der Nähe rum (um informiert zu bleiben) und bastelt sich ihre Goldklunker selbst, während Kollegin 2 gerne ihre Wochenenden verlängert um sich auf irgendwelchen Almhütten mal wieder so richtig zulaufen zu lassen Ski zu fahren. Wie könnte man da behaupten, die beiden hätten kein spannendes eigenes Leben?


One way or another - Little Lehle

28 04 2008
Auch wenn das jetzt wieder kein massenleserkompatibles Thema ist... Irgendwann entdeckt es vielleicht jemand über Google und kann diese Informationen brauchen.

Früher waren Gitarrenverstärker einfach… naja Verstärker eben. Sie verstärkten elektrisch den Klang von Gitarren. Nachdem man entdeckte, dass man sie durch gezieltes Übersteuern zum Verzerren bringen konnte, hielt dieser neue Klang in Form eines zweiten Kanals in den Verstärkern Einzug. Heutzutage sind drei- oder vierkanalige Verstärker eigentlich Standard. Damit stehen einem immer verschiedene passende Sounds auf Knopfdruck zur Verfügung.

In der Luxus-Variante verwenden vor allem bekannte Gitarren-Stars (die ihre Verstärker bekanntlich umsonst bekommen und sogar noch dafür bezahlt werden, dass sie ein bestimmtes Modell spielen) für verschiedene Sounds verschiedene Verstärker. Da steht dann der Marshall-Turm für die britischen Sounds, ein Fender Blackface oder Roland Jazzchorus für die cleanen flächigen Sounds und ein Mesa/Boogie Rectifier fürs NuMetal-Brett. Bei mir wollte ich eigentlich nur zwischen meinem Marshall-Halfstack und einem cleanen Fender-Digital-Modelling aus einem Behringer Combo wechseln. Aber wie schaltet man zwischen einer Gitarre und verschiedenen Verstärkern “einfach” um?

Hier kommen A/B-Schalter ins Spiel. Im Grunde genommen ganz einfache kleine Geräte: Sie benötigen keinen Strom (außer für evtl. vorhandene Status-LEDs) und machen keinen Stress. Dachte ich. Und besorgte mir so ziemlich das günstigste Modell (sah aber cool aus) im Versandhandel. Dummerweise schaltete der Electro Harmonix Nano Switchblade nur 80% zu 20% um und brummte, d.h. man hörte immer ein wenig vom jeweils anderen Verstärker mit. Leider ziemlich suboptimal und ich entschied mich für einen Klassiker aus dem Hause Boss in Türkis für vier Euronen mehr. Der AB-2 schaltete zwar korrekt zwischen den Verstärkern um, brummte aber noch mehr. Außerdem hörte man – entgegen anderslautender Werbeaussagen – einen Schaltknacks. Diese Variante war also leider auch nicht zu gebrauchen. So langsam etwas entnervt probierte ich den doch etwas kostspieligen Tipp des Verkäufers aus dem Fellbacher Soundland: Den Lehle Little Lehle.

Diese kleine Wunderkiste erledigt mit Bravour, woran andere scheitern: Knackfreies Umschalten mit goldkontaktiertem Schalter ohne Brummen oder Rauschen, dank True Hardware-Bypass keinerlei Klangbeeinträchtigungen und überaus robust gebaut. Um nicht zu sagen unzerstörbar. Auf seiner Website demonstriert der Hersteller, dass man sogar mit dem Auto über die Schalter fahren kann. Dabei gehen diese nicht kaputt sondern schalten lediglich brav um. Darüber hinaus gibt es eine wirklich helle Status-LED (leuchtet grün und rot), die man auch bei hellstem Sonnenschein auf Open-Air-Bühnen gut sehen kann. Für den Betrieb der Leuchtdioden kann man so ziemlich jedes Netzteil mit einer Spannung zwischen 8 und 20V verwenden; die Polung spielt dabei keine Rolle. Um einen einwandfreien Betrieb zu garantieren, wird die Versorgungsspannung nämlich intern gleichgerichtet und stabilisiert. Ein Überhitzungsschutz schaltet im Falle eines Kurzschlusses das Gerät automatisch ab. Jedes Detail dieser kleinen Wunderkiste ist absolut durchdacht und zeugt davon, dass hier wirklich jemand mit viel Liebe seiner Berufung nachgeht: Burkhard Georg Lehle baut schlichtweg die besten Fußschalter der Welt. Günstig sind sie nicht, aber definitiv ihren Preis wert. Und nachdem man seine Erfahrungen mit den billigen Modellen gemacht hat, investiert man das Geld gerne.

Fazit: Wer einen zuverlässigen A/B-Schalter sucht, kann sich absolut auf den Little Lehle verlassen. Dank zwei Ein- und zwei Ausgängen kann den Little Lehle auch als Looper oder schaltbaren Effektweg verwenden. Darüber hinaus natürlich alle Kombinationen: Ob zwei Gitarren an einem Verstärker oder eine Gitarre auf zwei Verstärker – die Einsatzmöglichkeiten sind sehr umfangreich.


Officially pimped

20 04 2008
Ok, jetzt ist es amtlich. Erstens: Ich bin ein Jahr älter. Zweitens: Ich hab die beste Frau geheiratet. Drittens: Ich bin jetzt Biker. Sie schafft es immer wieder, mich mit ihren Geschenken zu überraschen. Mich, den mit allen Wassern gewaschenen Geschenke-Entdecker, hat sie noch auf eine falsche Fährte gelockt. Und so wurde ich ahnungslos erschlagen von diesem geilen Teil: Dem Electra Ratfink Cruiser. So ein Fahrrad-Chopper mit dem man einfach nur gemütlich um die Blocks zieht. Aber nicht irgendein Cruiser, nein auch noch die Ed Roth Special Edition! Passend dazu hat sie natürlich gleich das perfekt sonnige Frühlingswetter bestellt, damit wir jetzt eine kleine Ausfahrt in den Rosensteinpark machen können. Dort können wir dann vielleicht gratis Wilbär schauen. Darüber habe ich schon fast ganz vergessen, dass wir ja noch für heute Abend Karten für Hagen Rether im Theaterhaus haben. Geburtstag ist toll! :-)

Thirtythree

20 04 2008

Neues Spiel, neues Glück. Wieder eine Runde weiter im großen Casting des Lebens. Wie haben nicht schon die Fantastischen Vier so treffend festgestellt: "Du bist der Star in deinem Film deine Geschichte ist wahr. Der Film heisst Leben und in deinem Leben bist du der Star. Du drehst den Film dein Leben lang und schaust ihn nur einmal an, du bist der Hauptdarsteller Regisseur der Kameramann und du bist ganz nah bei dir und du machst was dir gefällt (ich schätze mal du bist wie wir zu geil für diese Welt)..."

Im Herzen irgendwo Ende Zwanzig, aber der Pass sagt was anderes. Aber solange man nicht seine Träume aufgibt, nur weil sich Gleichaltrige die Faltencreme ins Bad stellen, liegt man nicht so falsch – meiner Meinung nach. Schließlich ist Buster Martin auch noch den London Marathon gelaufen – immerhin im 101 Lebensjahr. Ach ja, und bitte nicht wieder die üblichen Scherze wegen meiner Frisur und des heutigen Datums. Warum nicht einfach mal an den anderen Adolf denken, den deutschen Aerodynamiker? In diesem Sinne, Glück auf!

PS: Und weil mir danach war und man ja auch in Stil und Würde altern möchte, habe ich mir für die nächsten zwölf Monate ein Logo gestaltet. Wetten, dass das noch ein T-Shirt wird?


Gut drauf dank Wasser?

19 04 2008
Man hört ja immer wieder, dass auf fast allen der im Umlauf befindlichen Geldscheine Spuren von Kokain nachzuweisen sein sollen. Und auch in deutschen Flüssen schwimmen ungeahnte Mengen illegaler Betäubungsmittel. Forscher konnten alleine im Rhein Abbauprodukte von Kokain nachweisen, die aufs Jahr gerechnet einen Wert von 1,6 Milliarden Euro des Ursprungsproduktes haben. Da ist es doch tröstlich zu wissen, dass unser Wasser aus dem Bodensee kommt und wir hier in Bad Cannstatt inmitten von Mineralquellen wohnen. Da scheint noch alles in Ordnung zu sein. Meint zumindest dieser kleine Test hier: Weder Haschisch, Opiate, Kokain noch Amphetamine im kostbaren Nass. Darauf erst einmal ein Glas "Vin de grenouilles", Prost!

Strike

16 04 2008

In den 80er und 90er Jahren kannte ich das eigentlich nur aus Frankreich, Italien oder Spanien – Streik. Klar wurde bei uns auch mal gestreikt, aber eigentlich hielt sich das in Grenzen und betraf meistens nur die IG Metall. Und ob ein Auto einen Tag früher oder später vom Band rollt, berührt die meisten von uns im Alltag wohl eher nicht.

Aber irgendwie wird jetzt auch in Deutschland ständig wegen allem gestreikt: Die Bahn, die Post, die niedergelassenen Ärzte, nochmal die Bahn, wieder die Post, die Ärzte der Kliniken, schon wieder die Bahn... Ständig befindet sich irgendjemand im Arbeitsausstand. Das nimmt langsam Züge einer Bananenrepublik an. Nicht, dass ich falsch verstanden werde, ich finde das Recht zu streiken absolut sinnvoll. Aber wenn Arbeitskämpfe über Monate immer wieder Bereiche des öffentlichen Lebens lähmen, wird das scharfe Schwert des Streiks durch die inflationäre Häufigkeit stumpf, der Effekt nutzt sich ab und die Wirkung verpufft.

Mit wievielen betroffenen Gruppen soll sich denn die Öffentlichkeit noch solidarisieren? Mit einem Teil der Lokführer. Mit einem anderen Teil der Lokführer. Mit den privaten Postboten. Mit den Postboten der ehemaligen Staatspost. Mit den Klinikärzten. Mit den niedergelassenen Ärzten. So viel Sympathie man den Einzelnen entgegenbringt, aber irgendwann ist da eben auch mal Schluss. Wir haben schließlich noch ein eigenes Leben.

Jetzt ist wieder mal ein "Warnstreik" in den Paketverteilzentren der Post. Obwohl die Verhandlungsgespräche bislang völlig normal geführt wurden, wird jetzt schon wieder zwei Tage hintereinander gestreikt. Versteht das jemand? Ich nicht. Wer soll da gewarnt werden? Die Arbeitgeberseite vor weiteren Verhandlungen? Die Verhandlungsposition von Verdi soll damit angeblich gestärkt werden. Mir scheint sie die Seite der Gewerkschaft eher zu schwächen, da sie sich als unzuverlässiger Ansprechpartner darstellt. Für mich als Postkunden, der auf Pakete wartet gibt es jetzt zwei Alternativen zur Post: Ich wähle in Zukunft einen anderen Logistik-Dienstleister oder ich kaufe meine Waren statt im Internet wieder im lokalen Einzelhandel. Keine dieser Möglichkeiten sichert die Arbeitsplätze derjenigen, die gerade für den Erhalt ihrer Stellen nur mal eben so "warn"streiken. Vielleicht sollten sich die Gewerkschaftsfunktionäre mal überlegen, ob solche Schüsse vor den Bug während laufender Verhandlungen wirklich sinnvolle Mittel sind, die eigenen Interessen durchzusetzen.

Noch einmal, ich bin absolut für das Recht auf Streik. Aber nachdem im letzten Jahr jede Woche ein anderer Arzt, Lokführer oder Postler streikt ist jetzt auch mal wieder gut. Die Quantität der Arbeitsniederlegungen lässt das Arbeiten zwischendurch geradezu als ungewöhnliche Pause erscheinen. Vielleicht sollte man statt dem Feiertag der Arbeit am 1. Mai lieber einen Tag dranhängen, um die liegengebliebene Arbeit aufzuholen.

 

Auch wenn das jetzt alles sehr schwarz klingt, ist es das nicht. Ich hab nur langsam den Kanal voll von Bahnstaus in der Hauptverkehrszeit und Briefen und Paketen, die ewig nicht ankommen.


Schlangengrube zu vermieten

11 04 2008

Meine Kolleg(inn)en sind so rührend. Nachdem ich in ein paar Wochen die Firma verlassen werde, geben sie sich alle Mühe, damit mir der Abschied nicht so schwerfällt. Klar, nach 14 Monaten hat man sich ja aneinander gewöhnt. Oder auch nur miteinander abgefunden. Da kann es gar nicht herzlich genug zugehen.

Mein Chef zum Beispiel. Wir sind ja auch privat befreundet per Du. Manche hatten befürchtet, er würde jetzt pampig oder blöd werden, nur weil ich gekündigt habe. Aber nicht er: Damit ich nicht so schnell Entzugserscheinungen vom Büro bekomme, ist er sogar bereit, über getroffene Vereinbarungen hinwegzusehen. Und so muss ich jetzt meine vielen restlichen Überstunden gar nicht mehr nehmen, sondern darf auch während meines Umzugs in die Firma kommen und dafür 200 km jeden Tag zum Büro pendeln. Das nenne ich mal Flexibilität! Klar hätte man noch über die letztendlich benötigten 16 freien Stunden reden können, mit denen ich mich zuletzt sogar zufrieden gegeben hätte. Aber da kennt er nichts, da ist er flexibel. Ganz persönlich hat er sich dafür eingesetzt („weil ich der Chef bin!“). Also ich kann wirklich nicht verstehen, wer ihm da noch unterstellen würde, sein Münchner Roadster – dessen neuestes Modell er sich alle drei Jahre kauft – wäre schon das beste Beispiel für sein verkümmertes „Ego“. Er ist einfach nur ein Mann mit Prinzipien. Und flexibel. Erwähnte ich das schon?

Kollegin H., konnte mich anfangs ja augenscheinlich nicht leiden. Ständig beteuerte sie, wie sehr sie meinen Vorgänger vermisste und wie nett der doch gewesen sei. Außerdem hatte sie sich Chancen auf meine Stelle ausgerechnet. Gut, sie hat darin keine Ausbildung oder Berufserahrung, aber das muss einen ja nicht davon abhalten, sich „künstlerisch“ zu verwirklichen. Auf jeden Fall lächelt sogar sie mich jetzt immer an. Vor allem, nachdem sie E-Mails bekommen oder geschrieben hat. Vorzugsweise mit Kollegin K. mit der sie sich dann immer verschwörerische Blicke zugeworfen hat. Wahrscheinlich überlegen sie gerade, was sie mir zum Abschied noch Gutes tun können.

Ach ja, Kollegin K. Mit der hatte ich mich immer gut verstanden. Sie sitzt mir direkt gegenüber und da tauscht man auch mal den einen oder anderen privaten Satz aus. Kollegin K. tauscht sich sogar so gerne privat mit allen aus, dass sie am besten in der Firma informiert ist. Über alle. Wirklich alle. Sogar deren Nachbarn. Ein Schelm, wer bei ihrer ostdeutschen Herkunft eine Stasi-Vergangenheit vermutete. Immerhin hat sie einen Diplom-Ingenieur; allerdings konnte man zu ihrer Zeit damals eigentlich nur studieren, wenn man eifriges Parteimitglied war... Aber lassen wir das. Wir beide haben uns immer verstanden. Deswegen hat es mich auch nicht überrascht, als ich eine E-Mail von ihr an H. über mich gesehen habe, die zugegeben nicht sehr nett war, sondern sogar persönlich beleidigend. Das machen die beiden bestimmt nur, um von ihrer großen Abschiedsüberraschung abzulenken.

Mittlerweile reden wir alle nicht mehr so viel miteinander, damit die beiden sich besser austauschen können und ich ungestört meiner Arbeit nachgehen kann. So eine harmonische Atmosphäre lässt die letzten Stunden, Tage und Wochen nur so verfliegen. Und das alles, damit mir der Abschied von ihnen nicht so schwer fällt. Ich sags ja, einfach nur rührend meine Kollegen. Da freut sich mein Nachfolger bestimmt auch, wenn er sich in ein derart offenes und herzliches Team integrieren darf.


Vinyl Top 5 - Pt. 2

26 03 2008

Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, die Plätze 3 bis 1. Nun denn, anschnallen und ab in die 80er...

Platz 3: David Bowie
A: When the wind blows / B: Instrumental
1986/Virgin Records

Der Film "Wenn der Wind weht" ist ein leider eher unbekannter Zeichentrickfilm der 1987 in die Kinos kam. Aufgrund der ernsten Thematik (die Folgen eines Atomkrieges) war der Film in den Kinos unserer Stadt erst ab 16 freigegeben, was mich maßlos ärgerte, denn ich wollte ihn damals unbedingt sehen. Ganz großes Kino war auch der Titelsong von David Bowie. Ernst, hymnisch mit helleren Passagen aber letztlich doch traurig. Zwischen 12 und 32 ändert sich der Musikgeschmack ja (zum Glück) "etwas". Aber David Bowie hat mich seit dieser Zeit beleitet. Seine Stimme, sein Charisma, seine schiefen Zähne und vor allem seine Songs. "Let's dance", "China girl" und "Golden years" sind Klassiker, aber vor allem "When the wind blows" hat aufgrund seiner schwermütigen Thematik eine magische Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Heute besitze ich eine David Bowie "Best of"-DVD, den Film auf DVD und diverse Alben. Den Grundstein habe damals mit dieser Single gelegt.

Platz 2: Henry Mancini & his Orchestra
A: The Pink Panther Theme / B: Something for Sellers
1963/RCA Ariola

Manchmal, wenn ich alte James Bond-Filme aus den 60ern anschaue, fühle ich mich, als würde ich in der falschen Zeit leben. Ich mag diese 60er-Jahre, in denen ich nicht aufgewachsen bin, aber in denen Männer noch wussten, wie man Krawattenknoten bindet und dass man Frauen die Tür aufhält. Die 60er hatten auf diese Art und Weise eben Stil. Genau wie Musik von Henry Mancini. Er hat viele bekannte Stücke geschrieben, aber in meiner Kindheit interessierte mich natürlich nur sein "Pink Panther Theme". Erstens wegen der Zeichentrickserie und zweitens wegen der Inspector Closeau-Filme mit dem großartigen Peter Sellers. Und obwohl ich zu Weihnachten am liebsten von Geschenken überrascht wurde, ließ es sich dennoch nicht vermeiden, dass man beim Suchen zufälligen Stöbern darauf stößt. Auf dem Schrank meines älteren Bruders entdeckte ich eine Single und legte sie sofort wieder weg, weil ich ja überrascht werden wollte. Das Einzige, was ich zu erspäen geglaubt hatte, war dass es sich bei dieser Single um "Peter und der Wolf" handelte. Irgendein gezeichnetes Vieh auf dem Cover. Nee, oder? Peter und der Wolf? Hey, ich war ja schon fast erwachsen. Oder zumindest in der Pubertät. Beinahe zumindest. Da war der olle Peter mit seinem altbackenen Wolf doch eine Spur zu kindlich für mich. Die letzten Tage bis zum Fest übte ich also, möglichst überrascht und freudig auszusehen wenn mir mein Bruder das Geschenk überreichen würde. Ich träumte sogar nachts davon! Peter und der Wolf. Mist. Umso größer war die Überraschung, als ich dann zu Weihnachten Henry Mancinis "Pink Panther Theme" auspackte. Mein Bruder hatte mich also doch für cooler und erwachsener gehalten und mir eine coole und erwachsene Single geschenkt. Da war dann sogar die Freude echt. Eindeutig mein Geschmacks-Favorit in der Top 5-Liste meiner Lieblings-Singles.

Platz 1: Tiffany
A: I think we're alone now / B: No Rules
1987/MCA Records

Meine erste, vom eigenen Taschengeld selbst gekaufte Single ist: Tiffany - I think we're alone now. Ok, jetzt ist es raus. Aber jetzt bitte mal alle die vortreten, die als erstes gleich mal Portishead oder Hendrix gekauft haben, ja? Na also. Es scheint fast wie ein unvermeidliches Naturgesetz, dass die ersten Platten peinlich sein müssen. Aber mit 12 deckte sich diese rothaarige junge Dame in der Jeansjacke genau mit meiner pubertär aufkeimenden Vorstellung von "hübsch". Natürlich hätte ich das nicht zugegeben, aber ich fand diesen verträumten Blick auf der Rückseite anziehend. Und so begabt, wie sie war... Dass Ritchie Cordell dieses Lied bereits 1967 für Tommy James & the Shondells geschrieben hatte, interessierte mich nicht. Dieses Lied war wie ein Startschuss in meine Pubertät. Ich wollte unbedingt... so eine coole Jeansjacke (vom Knutschen hatte ich ja noch keine Ahnung). Was bekam ich? Eine Jinglers-Jacke von C&A. Das war nicht ganz, was ich erhofft hatte, aber die würde es zur Not erst einmal tun müssen. Nur einmal noch hat mich ein Song so berührt, wie es damals Tiffany tat: Robin Beck mit "First Time". Aber geknutscht hab ich auch dazu nicht.

So und jetzt mal zu euch: Welche Top 5 oder Lieblings Vinyl-Singles habt ihr? Raus mit den peinlichen Platten und den Klassikern des guten Geschmacks ;-)