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Frau 1 und Frau 2

Dienstag, 29. April 2008 09:24 Lob & Tadel Maegz Kommentare (8)

Kollegin 1 tippt eifrig an ihrer Tastatur TIPTIPTIP... Dann ein beherzter Tastendruck und die Mail wird abgeschickt. Dabei verzieht sie keine Miene. Augenblicke später piept am anderen Ende des Büros Outlook und Kollegin 2 fängt an zu kichern HIHIHI... Beide werfen sich verschwörerisch schmunzelnde Blicke über drei Schreibtische hinweg zu. Kollegin 2 schnalzt mit der Zunge KLACK und tippt ihrerseits an einer Antwort TIPTIPTIP. Das gleiche Spiel rückwärts. So lustig haben es die beiden. Ab und zu (wenn sie mal wieder im Klartext lästern möchten) verschwinden sie auch schon mal für eine halbe Stunde in die leere Kantine oder in die Büros anderer Kollegen. Da können sie sich in Ruhe austauschen. Ja, so macht das Miteinander Spaß... Damit ihr wisst, um was für liebenswerte Exemplare es sich bei meinen beiden netten Kolleginnen handelt, stelle ich sie euch am besten kurz vor. Aber wie armselig muss eine Existenz mit 50 Jahren sein, damit einem solche Lästereien die einzigen kleinen Höhepunkte des Tages verschaffen? Im Grunde genommen kann es einem nur leid tun, wenn meine beiden Grazien hier, die offensichtlich kein eigenes Leben haben*, andere Menschen ständig kommentieren müssen, weil sie sonst überhaupt nichts zu reden hätten. Natürlich muss man sich nicht mit allen Kollegen gleich gut verstehen, man hat sich ja schließlich nur den Job, nicht aber das Umfeld herausgesucht. Aber so bißchen Anstand sollte man in dem Alter eigentlich gelernt haben...
Da fällt mir Hagen Rether ein: "Ach, was reg ich mich auf...?" Nur noch acht Tage.

Frau 1

Es gibt Frauen, an denen ist ein Mann verloren gegangen. Kurzhaar-Frisuren können Frauen fabelhaft stehen, aber manche bevorzugen sie auch nur, weil sie zu fantasielos für eine richtige Frisur sind. Das sieht dann so ein bißchen verkniffen aus und manchmal auch wie eine schlechte Perücke. Gerne trimmen sich solche Frauen auch auf superschlank, damit nicht noch einer entdeckt, dass hinter der gestählten flachen Brust doch noch eine Frau steckt. Desaströs wird es natürlich, wenn solche Frauen bevorzugt schwarzes Leder in Verbindung mit auffälligem Goldschmuck tragen. Das hat dann immer so einen billigen Ost-Domina-Chicque. Um zu beweisen, dass sie ihren Mann Frau stehen können, legen sie eine umso schrillere Art an den Tag. Die spröde schneidende Stimme gleicht im wahrsten Sinne des Wortes einem Reibeisen und hat ebensoviel Charme. Verbindlich oder freundlich geht schon gar nicht, „man muss ja schließlich nicht an Herzdrücken sterben, ne?“. Im Hintergrund wird die eigene Position gesichert, indem man intrigiert und tratscht, was das Zeug hält. Nur wer gut informiert ist, hat auch genug Pfeile in der Hand, wenn man sie dann braucht. Solche Frauen muss man sich nicht zum Feind machen, man hat sie schon zum Gegner, wenn man ihnen nur vorgestellt wird. Solche Frauen kennen keine Freunde, sondern nur temporäre Koalitionen. Mit diesen werden sich andere zurechtgelästert, bis sie in das bornierte eigene Weltbild passen – von Toleranz oder Empathie keine Spur.

Frau 2

Kennt ihr Frauen, die ständig mit der Zunge schnalzen und mit den Finger schnippen? Diese Art Frau, die immer ein bißchen zu viel mit den überdeutlich vorhandenen Hüften wackelt? Sie lacht künstlich zu oft und zu laut und hängt gerne eine regional gefärbte „neckische“ Verkleinerungssilbe an alle Wörter an. Dann wird in niedlichem Tonfall alles mit „Sotele“ (schwäbische Variante von "So", eigentlich "Sodele") oder „Schjo“ kommentiert (=so, Kurzform für Sotele). Diese Sorte Frau, die immer so ein bißchen beschwingt tut und das dadurch unterstreicht, das sie oft völlig sinnfrei unmelodisch etwas wie „La-di-da“ vor sich hinsummt? Wenn sie läuft, bleiben ihre offenen Schuhe an den Fersen kleben und schnalzen im Rhythmus ihrer Hüften beim Gehen. An ihr ist alles ein bißchen „zu“: zu affektiert, zu aufgesetzt, zu künstlich. Sie schafft sich selbst das Publikum und den Mittelpunkt, in dem sie gerne steht. Aber sie tut beschämt bescheiden, wenn sie wirklich endlich aufgefallen ist. Sie umspielt eine penetrante „Laissez-faire“ Attitüde, die jegliche altersbedingte reife und abgeklärte Entspanntheit vermissen lässt, stattdessen aber nur ihren krankhaften Drang nach Aufmerksamkeit bloßlegt. Gerne tragen solche Landfrauen Schwarz, weil sie das für weltgewandt und Avantgarde halten (und es super den voluminösen Hintern kaschiert), als Alternative gibt es schreiend bunte Papageien-Farben, weil die wiederum die Aufmerksamkeit sichern und den pseudo-künstlerischen Touch unterstreichen. Manchmal (viel zu oft) fällt die mühsam aufgebaute Fassade und die ordinäre Dorfherkunft offenbart sich; immer dann rollt ihr ein "da schei*t der Hund drauf" oder einfach nur dreimal in einem Satz "Shice" oder "Ka**e" über die Lippen. Ja, man kann die Frau aus dem Dorf bekommen, aber nicht das Dorf aus der Frau...

* Ich will ihnen nicht unrecht tun: Kollegin 1 hat ein pathologisch gestörtes Verhältnis zu ihren Eltern, drückt sich auf den Dorfbeerdigungen in der Nähe rum (um informiert zu bleiben) und bastelt sich ihre Goldklunker selbst, während Kollegin 2 gerne ihre Wochenenden verlängert um sich auf irgendwelchen Almhütten mal wieder so richtig zulaufen zu lassen Ski zu fahren. Wie könnte man da behaupten, die beiden hätten kein spannendes eigenes Leben?

Tags für diesen Artikel: büro, firma, kolleginnen, lästern, mobbing

Schlangengrube zu vermieten

Freitag, 11. April 2008 09:26 Alltägliches Maegz Kommentare (15)

Meine Kolleg(inn)en sind so rührend. Nachdem ich in ein paar Wochen die Firma verlassen werde, geben sie sich alle Mühe, damit mir der Abschied nicht so schwerfällt. Klar, nach 14 Monaten hat man sich ja aneinander gewöhnt. Oder auch nur miteinander abgefunden. Da kann es gar nicht herzlich genug zugehen.

Kollegin H., konnte mich anfangs ja augenscheinlich nicht leiden. Ständig beteuerte sie, wie sehr sie meinen Vorgänger vermisste und wie nett der doch gewesen sei. Außerdem hatte sie sich Chancen auf meine Stelle ausgerechnet. Gut, sie hat darin keine Ausbildung oder Berufserahrung, aber das muss einen ja nicht davon abhalten, sich „künstlerisch“ zu verwirklichen. Auf jeden Fall lächelt sogar sie mich jetzt immer an. Vor allem, nachdem sie E-Mails bekommen oder geschrieben hat. Vorzugsweise mit Kollegin K. mit der sie sich dann immer verschwörerische Blicke zugeworfen hat. Wahrscheinlich überlegen sie gerade, was sie mir zum Abschied noch Gutes tun können.

Ach ja, Kollegin K. Mit der hatte ich mich immer gut verstanden. Sie sitzt mir direkt gegenüber und da tauscht man auch mal den einen oder anderen privaten Satz aus. Kollegin K. tauscht sich sogar so gerne privat mit allen aus, dass sie am besten in der Firma informiert ist. Über alle. Wirklich alle. Sogar deren Nachbarn. Ein Schelm, wer bei ihrer ostdeutschen Herkunft eine Stasi-Vergangenheit vermutete. Immerhin hat sie einen Diplom-Ingenieur; allerdings konnte man zu ihrer Zeit damals eigentlich nur studieren, wenn man eifriges Parteimitglied war... Aber lassen wir das. Wir beide haben uns immer verstanden. Deswegen hat es mich auch nicht überrascht, als ich eine E-Mail von ihr an H. über mich gesehen habe, die zugegeben nicht sehr nett war, sondern sogar persönlich beleidigend. Das machen die beiden bestimmt nur, um von ihrer großen Abschiedsüberraschung abzulenken.

Mittlerweile reden wir alle nicht mehr so viel miteinander, damit die beiden sich besser austauschen können und ich ungestört meiner Arbeit nachgehen kann. So eine harmonische Atmosphäre lässt die letzten Stunden, Tage und Wochen nur so verfliegen. Und das alles, damit mir der Abschied von ihnen nicht so schwer fällt. Ich sags ja, einfach nur rührend meine Kollegen. Da freut sich mein Nachfolger bestimmt auch, wenn er sich in ein derart offenes und herzliches Team integrieren darf.

Tags für diesen Artikel: abschied, büro, firma, kollegen, mobbing, nett

Lieblingswörter

Dienstag, 6. Februar 2007 06:10 Alltägliches Maegz Kommentare (4)

Es soll ja Firmen geben, bei denen ist die Zeit stehengeblieben. Vor allem im florierenden Mittelstand kann es vorkommen, dass man sich nicht so plötzlich an die geänderten Zeiten und Marktgegebenheiten anpassen möchte, nur weil mal eben drei Jahrzehnte vergangen sind. So kommt es, dass ich einen Artikel namens "Podiumsbelag" nicht in "Bühnenboden" umbenennen darf, obwohl das ein und dasselbe ist und letzterer Begriff auch wesentlich verständlicher ist (meint ja sogar Google). Das würde unsere Kunden und vor allem unsere Mitarbeiter verwirren, weil die seit den Siebzigern mit diesem Begriff vertraut sind. Nur tritt Robbie Williams eben nicht auf Podien auf, sondern auf Bühnen oder sogar auf "stages" und Kurt Cobain pflegte seine Gitarren auch nicht auf Podiumsbelägen zu zerlegen, sondern er zertrümmerte sie gepflegt auf dem Bühnenboden. Ich glaube ja auch, dass Cobain sich nicht einmal auf einen "Podiumsbelag" verirrte, wenn man ihm den Weg gewiesen hätte. Aber wie stellte schon ein bedeutender russischer Staatsmann fest, kurz bevor sich stahlharte Regimes in Nichts auflösten: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Mal sehen, wie lange unsere Event-Kunden noch verstehen, was wir ihnen mit "Podiumsbelägen" zu verkaufen versuchen.

Überhaupt steigt der Druck derzeit stark an, da man plötzlich festgestellt hat, dass der einzige Grafiker (aka "die Glatze aus der Marketing-Abteilung") die Firma in wenigen Wochen verlässt und man ja noch viel vorbereiten muss, unter anderen für die weltgrößte und wichtigste Baumesse. Ich habe ja auch nur zwei Monate vorher Bescheid gesagt, dass meine nicht so geschätzte Arbeitskraft nur mehr acht Wochen zur Verfügung steht. Vertraglich hätte ich das nur vier Wochen vorher tun müssen, aber ich dachte Fairness geht vor. Diesen Fehler begehe ich bestimmt kein zweites mal. Unser Geschäftsführer kündigte bei einer Besprechung nun auch neulich an, er werde sich aufgrund des Zeitdrucks von nun an nicht mehr konziliant verhalten. "Konziliant" fand ich ein so schönes Wort, dass ich das drollige kleine Ding gleich adoptiert habe. Von nun an bin ich also Wortpate des kleinen "konziliant". Eine schöne Idee, diese Wortpatenschaften. Wer sich auch eines sichern möchte, kann dies beim Verein Deutscher Sprache gerne für einen kleinen Obulus von 10 Euronen tun. So hat eben jeder seinen eigenen Bezug zu Wörtern und Begrifflichkeiten.
Tags für diesen Artikel: Firma, konziliant, Pate, Wort
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Blogrocker Maegz


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