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Der Blogrocker singt... 9 to 5
Montag, 28. Mai 2007 18:26 Musik Maegz Kommentare (9)
Der Urbandesire hat den Ball für mich vorgelegt. Warum nicht mal zeigen, was man früher musikalisch getrieben hat? Schließlich war ich in meiner Sturm- und Drangzeit in genügend Bands. Mit ca. 15 Jahren bekam ich meine erste Gitarre von meinem Dad. Damit war der Grundstein gelegt, von einer Karriere als virtuoser Superrockgitarrist zu träumen. Ich ließ mir lange Haare wachsen und übte, bis die Hornhaut dicker war, als die Staubschichten meines Teenagerzimmers. Mit mäßigem Erfolg. Immerhin spielte ich in einigen Hardrock- und Metal-Bands und schlug mich dort an der Gitarre recht wacker. Meine Vorbilder waren Steve Vai, Paul Gilbert, Eddie van Halen und Scott Ian von Anthrax. Es war die Zeit des Crossover und so erweiterten bald auch Funk und Fusion meinen musikalischen Horizont (Faith No More!). Da meine damalige Band dieser spontanen Horizonterweiterung nicht folgen wollte, beschloss ich auszusteigen und alleine Musik zu machen.
Ich sperrte mich also zwei Monate in mein Zimmer ein und komponierte – mit einem Keyboard, einem Drumcomputer, mehreren Gitarren und Verstärkern, sowie einem 4-Spur-Kassettenrecorder bewaffnet – wie ein Wilder drauf los: Songs, Texte, Alternative Rock, Deathmetal, Jazz, Rap, Folk, Country, Funk... ich machte vor nichts halt. In Ermangelung von Mitmusikern spielte und programmierte ich alle Instrumente selbst und das obwohl ich nicht mal Noten lesen, geschweige denn Klavier spielen konnte. Da fiel der Jazz dann schon mal gemächlicher als üblich aus, weil ich die Akkorde schlichtweg nicht schneller spielen konnte. Als ich mit einer DAT-Kassette und 20 Songs mein Zimmer verließ, wedelte zu meinem Erstaunen draußen niemand mit einem Plattenvertrag.
Stattdessen erklärte sich ein damaliger Freund bereit, die professionelle Aufnahme meiner Ideen in einem Studio zu finanzieren. Ein knappes Vierteljahr später hielt ich meine erste eigene CD in den Händen – nur frischgebackene Väter können diesen Moment wohl nachvollziehen. Meinen ersten hoffnungsvollen Briefen an verschiedene Plattenfirmen folgte alsbald die nüchterne Erkenntnis, dass die A&R-Manager wohl doch nicht auf mich gewartet hatten. Wie dem auch sei... Der nachfolgende Song "9 to 5" (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Titel Dolly Partons) war der Opener meiner 4-Song Maxi "Thunderballs". Ein Song über den öden Büroalltag, welcher sich aus damaliger Sicht alles andere als attraktiv ausnahm, mir aber heute die Brötchen und neue Saiten für meine Gitarre sichert. Mit 17 hat man eben noch Träume...
Ach ja, mein Ein-Mann-Projekt hieß "Psycho Maniac Syndicate", kurz PMS. Ich war jung und brauchte das Geld und fand das damals wohl unglaublich witzig und rebellisch. Etwa ein Jahr später gewann ich mit diesem Song den Democheck des Monats beim Soundcheck-Magazin. Aber auch auf dieses enorm positive Echo in der Fachpresse (ok, Westernhagen-Bassist Raoul Walton war nicht ganz so euphorisch in seinem Urteil) folgten wider Erwarten keine Angebote, demnächst doch bitte die Stuttgarter Schleyerhalle zu füllen. Das Musik-Business ist eben ein hartes Brot...
Lasst mich in den Kommentaren wissen, was Ihr über den Song denkt. Wer mir außerdem sagen kann von welchen zwei bekannten Songs ich mich musikalisch zu "9 to 5" inspirieren ließ, gewinnt ein handsigniertes Exemplar der Maxi-CD "Thunderballs". Je nachdem wie groß das Interesse ist, könnte ich mich ja auch hinreißen lassen, das bislang geheime Demo zu "9 to 5" hier im Blog offenbaren...
New to hear
Sonntag, 13. Mai 2007 12:17 Musik Maegz Kommentare (0)
Wenn man berufsbedingt die Woche über von Plattenläden und dem Internet abgeschnitten ist, stürzt man sich natürlich am Wochenende auf neue Musik wie am ersten Januar auf einen sauren Hering. Dieses Wochenende war besonders ergiebig und diese Neuveröffentlichungen oder Entdeckungen möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.
Black Light Burns - Cruel melody (2007)
Limp Bizkits Ex-Gitarrist Wes Borland mit seiner neuen Band. Der Mann hat (neben Korn) den tiefen Sound von 7-saitigen Gitarren im New Metal entscheidend mitgeprägt. Hier geht er neue Wege, auch wenn er immer noch saftig in die Saiten greifen kann. Den Gesang steuert er auch bei. Ansonsten hat er sich Freunde mit ins Boot geholt, die sonst bei Nine Inch Nails musizieren. Dementsprechend haben die Beats zuweilen einen leichten Industrial-Einschlag. Für Freunde harter alternative Gitarren.
Groove Armada - Soundboy rock (2007)
Also wer hier nicht mit dem Hinter wackelt, sollte dringend exhumiert werden, denn diese Platte rockt. Groove Armada plündern Versatzstücke aus der Elektrokiste, geben öfter mal einen Schuss tanzbarer 80er dazu und servieren das Ganze fein abgeschmeckt mit einer Prise Dub. Manches ist leicht beschwingt wie Air, anderes passt zur Science Fiction Jazz Serie und wieder anderes gehört auf den Tanzflur und auch nur dorthin. Ein Album das Laune macht und perfekt auf den Sommer einstimmt. Passt zur Clubnacht wie zum Sonnennachmittag.
Linkin Park - Minutes to midnight (2007)
Was Matrix für die Special Effects im Kino, das waren Linkin Park für den New Metal. Sie haben einen eindeutigen Stil vorgelegt, der danach mehr als oft kopiert wurde. Aber wie schlagen sie sich auf Ihrem eigenen neuesten Studioalbum? Ich wills mal so ausdrücken: Die Zeiten, als LP Standards gesetzt haben, sind vorbei. Das neue Material klingt kommerziell weichgespülter. Nicht schlecht, aber austauschbar und zu mittelmäßig. Das Tempo und die Härte wurden runtergeschraubt um Mädels- und Charts-kompatibel zu werden. Das erinnert an Incubus und Hoobastank, aber die Kante ist verschwunden. Schade.
Marylin Manson - Eat me, drink me (2007)
Auch Herr Manson schielt auf die Masse. Poppiger ist er geworden, was bedeutet, dass eingängigere Melodien Einzug gehalten haben. Schlecht ist das nicht, nur passt es nicht zu einem, der sich ansonsten redlich Mühe gibt, eben nicht den Erwartungen der Masse zu entsprechen. Also muss man eben noch ein paar F***-Wörter einstreuen. Alles in allem kein ungewöhnliches Album, sondern genau das, was man auch erwartet hätte. Standard-Marylin-Kost.
Mister Bond - A jazzy cocktail of ice cold themes (2007)
Ja, ich bin Bond-Fan. Mir gefallen die Filme, ich mag die liebevolle 60er Optik der alten Folgen und vor allem gefallen mir meistens die Titelsongs richtig gut. Nach David Arnolds Projekt "Shaken and stirred" gibt es aber kaum gute Coverversionen dieser Klassiker. Mister Bond ist ein Sampler, der die bekannten Melodien jetzt als entspannte Jazz-Versionen interpretiert. Das steht manchen Songs außerordentlich gut und birgt so manchen Überraschungsmoment (Tomorrow never dies, Die another day), die eigentlich besser klingen als das Original. Für ruhige Momente und blaue Stunden in der Lounge. Schön entspannt.
Shrek der Dritte - Soundtrack (2007)
Dreamworks haben mit Shrek Maßstäbe im computeranimierten Zeichentrick gesetzt. Außerdem bewiesen sie mit den jeweiligen Soundtracks ein gutes Gespür für feine Melodien. Auch der Soundtrack zum demnächst erscheinenden dritten Teil ist hier keine Ausnahme. Wieder mit dabei: Die Eels. Außerdem sorgen Led Zeppelin, Fergie mit einem überraschend guten Cover von Hearts "Barracuda", die Wings und Wolfmother für eine abwechslungsreiche Sound-Kulisse. Da freue ich mich schon auf die entsprechenden Szenen im Film. Gute Laune Soundtrack für grüne Oger.
Smash Mouth - Summer girl (2006)
Da Smash Mouth in Europa leider nicht so erfolgreich sind wie in den Staaten, habe ich jetzt erst ihr letztes Album entdeckt. Die Musik entspricht genau den Erwartungen, die das farbenfrohe Cover weckt: Leichte und fröhliche Sommermusik mit Drive. Die Gitarren perlen die Ohrwurmmelodien nur so raus, die Orgeln flöten schräge Hintergrundbegleitungen, ach das ganze Album macht einfach Spaß. Dazu würde sogar ich Cabrio fahren. Poppunk ("So insane") mit Ska-Einflüssen und manchmal auch ein Schuss Retro-Beatmusik ("Girl like you") – eine Mischung die die Sonne scheinen lässt und sofort hängenbleibt. Geheimtipp!
Osterhasi
Freitag, 6. April 2007 19:54 Alltägliches Maegz Kommentar (1)
Ich komme mir irgendwie vor, wie ein Wochenendblogger. Mein neuer Job ist eine fordernde Geliebte und verlangt meinen ganzen Einsatz. Leider habe ich immer noch kein Internet, so dass ich mich darauf beschränken muss, von Freitag bis Sonntag Abend ausführlicher im Netz zu stöbern und Blogs zu lesen.
Ostern war daher eine willkomene Abwechslung, da die letzten vier Wochen sehr arbeitsreich waren und die nächsten es wohl auch werden. Gerne hätte ich bereits eher über Volbeat geschrieben, die mit "Rock The Rebel – Metal The Devil" ein grandioses Album vorgelegt haben, welches L. und ich am 18. April auch live in der Rockfabrik bestaunen dürfen. Eine harte Rockabilly Mischung, bei der sich der Ex-Sänger einer Deathmetal-Combo von Elvis zu einer Art Metallica-Revival inspirieren lässt, bekommt man wirklich nicht alle Tage zu hören. Auf alle Fälle rummst es bei diesen dänischen Jungs mal richtig – satte Gitarrenwände, Doublebass und stimmige eingängige Melodien. Da fällt es nicht schwer, zum Fan zu werden.
A propos Dänemark: Adams Äpfel wäre noch so ein Tipp unserer nördlichen Nachbarn, den wir neulich im Kommunalen Kino entdeckten. Ein filmisches Kleinod mit Mads Mikkelsen, der einen (fast) unbelehrbar optimistischen Pfarrer spielt, welcher die schwierige Aufgabe hat, ehemalige Strafgefangene zu resozialisieren. Aber lest selbst...
So viele Blogeinträge, die ungeschrieben bleiben, weil die Inspiration höchstselbst eine flüchtige ist und die Worte schon verflogen, noch bevor ich sie tippen konnte. Aber vielleicht bekomme ich dafür 100 km fernab der Heimat auch noch eine Routine, damit ich sie wenigstens unter der Woche festhalte und am Wochenende gesammelt veröffentliche.
Soundtrack des Herbstes
Freitag, 10. November 2006 13:22 Musik Maegz Kommentare (4)

Heute ist ein fantastischer Herbsttag. Schon seit heute Morgen habe ich dermaßen gute Laune, dass mir die Sonne aus dem Hintern scheint. Dabei weiß ich nicht einmal warum. Ein Grund könnte natürlich dieser tolle warme Sonnenschein da draußen sein. Ein anderer, dass ich jetzt mal spontan den Nachmittag frei genommen habe und jetzt mit Herzblatt L. in die Stadt gehe. Mein Job hat mich oft genug. Jetzt kommen mal Sonne und Frischluft zu ihrem Recht.
Die richtige Musik gehört natürlich auch zu so einem Tag. Vor Jahren bekam ich einmal einen Sampler von einer Freundin aus Übersee geschickt. Es waren einige ihrer damaligen Lieblingssongs und über manche davon hatten wir auch immer wieder mal gesprochen/geschrieben ohne dass ich die Titel kannte. Sie hat sich hingesetzt und mir eine CD mit diesen Liedern gebrannt. Nichts, was die Musikindustrie je anbieten könnte, würde einen selbstgebrannten Sampler ersetzen. Jemand opfert seine Zeit, stellt Lieder für jemand anderen zusammen, der ihm oder ihr am Herzen liegen und beschriftet das Ganze. Handarbeit, echte Emotionen, die Gedanken die mir jemand mit seiner Arbeit widmet, die Zeit, die er oder sie investiert. Solche Sampler gibt es zu Millionen und sie alle sind ein Austausch, über etwas was sich zwischen zwei echten Menschen abspielt. Und das hat gar nichts mit Geld zu tun. Deswegen kann man es nicht kaufen und deshalb wird auch kein Kopierschutz oder Urheberrecht es je aufhalten. Zumal diese Lieder alle von CDs stammen, die sowieso im Plattenschrank stehen.
Kims CD hole ich immer wieder gerne in den ruhigen Momente raus. Auf meiner Fahrt ins Büro heute habe ich sie im Auto gehört und es waren genau die richtigen Songs für meinen Morgen. Der Track Nummer eins ist leer, da hat sie sich wohl beim Brennen vertan. Die Songs gehen erst ab Track Nr. 2 auf der CD los. Auf das Cover hat sie kleine Leuchtsterne geklebt, obwohl wir beide zu diesem Zeitpunkt längst aus dem Alter für Nachtlichter raus waren. Aber genau das gehört für mich zu dieser CD dazu. Es erinnert mich daran, wie sie sich entschuldigt hat, weil auf dem ersten Track nichts ist. Und es erinnert mich daran, dass diese CD von jemandem ist, dem ich wichtig bin. Was gibt es Schöneres, als einer Freundschaft Ausdruck zu verleihen, indem man Musik miteinander teilt? Sharing is caring. Ich gehe jetzt die Sonne mit jemandem teilen, der mir wichtig ist. Ein schönes Wochenende euch da draußen.


Your Senf