Die letzten drei Tage waren wir Grenzgänger zwischen zwei Welten, die verschiedener nicht sein können: Auf der einen Seite die beschauliche Ruhe des kleinen Kurortes Bad Dürrheim mit Rentnern und Thermalbad; auf der anderen Seite bis zu 50.000 Kinder, die im Schlamm spielten und dabei jeder Menge guter Bands lauschten – das Southside Festival 2009.
Zum Southside kam ich, weil mir L. die Tickets zur großen Faith No More Reunion zum Geburtstag geschenkt hat. Übernachtung im Hotel statt im Zelt inklusive. War kein Fehler, wenn man sich den Campingplatz ansah. Uns erwartete ein ansonsten sauber organisiertes Festival, nur das Wetter wollte nicht so richtig mitspielen, deshalb gab es eben drei Tag Schlamm und Regen. Die Bands waren trotzdem sehenswert: Lily Allen war live genauso gut wie auf Platte, die Fleet Foxes genauso ätherisch folkig und Fettes Brot die gewohnt gutgelaunten Spaßmacher. Nur die Live-Band-Versionen der Brote Klassiker hätte ich mir manchmal mehr wie auf Platte gewünscht. Bettina ist eben eine Synthiesample-Gefiepse, da passt nicht plötzlich eine Jazz-Gitarre drauf. Die Ärzte… Tja die Ärzte. Was soll man dazu schreiben? Wirkten routiniert, aber vielleicht haben wir auch zu wenig gesehen, denn so richtig wollte mich der Zauber eines Auftritts der “besten Band der Welt” nicht erfassen. Sind nette Jungs, ohne Zweifel, nur den Auftritt fand ich nicht packend, wie den manch anderer Band.
Am zweiten Tag haben The Sounds für gute Stimmung gesorgt. Von den Schweden kannte ich bisher nur ein Album, aber jetzt kann ich sie auch live weiterempfehlen. Bei Nieselregen waren wir froh, dass unser nächster Favorit im Zelt spielte: Just Jack. Der zauberte nämlich gute Laune auf die überdachte Red Stage und zudem noch Sonne ins Herz. Gute-Laune-Musik mit Groove-Appeal und gegen Ende des Jahres ist auch ein neues Album am Start. Am Abend gab es dann noch die stilsicheren Briten von Franz Ferdinand (man hatte das Gefühl, das gesamte Festival hätte sich vor ihrer Bühne versammelt, so voll war es) und danach mit Disturbed noch die erste “richtige” Metalband. Knochtrocken aber mit absolut druckvollem Sound haben sie richtig gut abgeliefert, inklusive dem fantastischen Cover “Land of confusion”.
Am dritten Tag gab es erst einmal drei Damen am Mikro: Die Ting Tings (ganz ok, aber nicht umwerfend), Katy Perry (rhythmische Sportgymnastik mit schwacher Gesangseinlage) und Duffy (elegante Musik, gute Sängerin aber auf einem Festival ein bißchen fehl am Platz). Mit Social Distortion wurde dann wieder die Green Stage gerockt und als Höhepunkt gab es meine Über-Band Faith No More.
Die Blaupause aller Crossover-Acts der frühen Neunziger (so wage ich das mal zu bezeichnen) sind live fantastisch. Selbst der übliche FNM-Humor fehlte nicht. Wer sonst würde das Konzert wohl mit einem Mike Patton am Krückstock beginnen, der “Reunited” von Peaches & Herb singt? Genial der Text “I was a fool to ever leave your side, me minus you is such a lonely ride…”. Das passende unvermeidliche Greatest Hits Album heißt dann auch mit treffender Selbstironie “The Very Best Definitive Ultimate Greatest Hits Collection” und auf den T-Shirts zur Tour steht “The Second Coming”. Ja, das sind die alten Faith No More, wie wir sie lieben. Gespielt haben sie alle Klassiker, so bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass es keine schnelle “Wir brauchten das Geld” Nummer ist, sondern dass auch irgendwann ein neues Album folgt.
Your Senf