Artikel mit Tag funk
Elektronisches von der Plattentheke
Montag, 6. November 2006 06:26 Musik Maegz Kommentare (2)
Man kann nun wirklich nicht behaupten, dass ich ein großer Fan von altem Techno bin. Es sei denn er klingt nach den treibenden Beats von Prodigy ohne deren Agressivität zu besitzen, verfügt über die düsteren Keyboard-Melodien von Depeche Mode und Gitarren. Moment, Retrotechno mit Gitarren und das Ganze sowohl tanzbar, als auch perfekt zu Hause konsumierbar? Dass das geht, beweisen drei Thüringer unter dem Namen Northern Lite. Deren neues Album "Unisex" ist eine gediegene Mischung aus "kicks ass" und schönen Melodie-Linien. Statt sich in Fieps und Rumpel-Orgien zu ergehen wie manch andere Techno-Combo produziert das Trio einen völlig eigenen Sound, der mit synthetischen Sounds auf der einen und kernigen Gitarren auf der anderen Seite aufwarten kann. Ich mag solche Grenzgänger, die mit bekannten Elementen und Versatzstücken etwas völlig Neues und Eigenes schaffen. Satte 8 von 10 Maximalpunkten gibt der groovende Maegz.
Und wo wir gerade schon bei Geständnissen sind: Auch das aktuelle Album von Roger Sanchez "Come with me" gefällt mir. Das Cover ist reduzierten Farben gehalten und erinnert ein bißchen an Isaac Hayes, außer dass der keine Haare hatte. Mr. Sanchez macht House und das genaugenommen schon eine ganze Weile. Und auch nicht gerade schlecht wie ich finde. Hardcore Fans von Progressive House aufstöhnen, weil ihnen der funky Vocal House auf "Come with me" zu kommerziell sein wird, aber mir gefällts. Als ich auf Track Nr. 7 ein paar Rhodes entdeckte, hab ich die Platte in mein Herz geschlossen. Kann man gut anhören, ist kein überüberragender Meilenstein, aber ein solides Stück House zum dezenten Wackeln mit der verlängerten Wirbelsäule. Solide 7,5 Punkte für den Housemeister.
Nur noch kurz erwähnt: Winger (Band um Ex Alice Cooper-Bassisten Kip Winger die Anfang der 90er formidablen Hardrock machte) sind mit einem neuen Album zurück. Schlicht "IV" ist das neue Werk betitelt und bietet Hardrock, der etwas modernisiert und gestrafft wurde, aber immer noch an Winger erinnert. Freunde des Genres könnten zugreifen obwohl das Album keine musikalischen Offenbarungen bietet.
Aerosmith machen das, was sie immer kurz vor Weihnachten machen: Sie veröffentlichen ein Very Best Of-Album und packen für den Fan, der sowieso schon brav alle Best Of-Alben gesammelt hat zwei neue Songs mit drauf. Ob "Devil's got a new disguise" damit auf Dauer die Fanz begeistert, bezweifle ich, aber für 2007 ist ja wenigstens schon mal ein neues Studio-Album angekündigt.
A propos Best Of: Nicht vergessen, ab heute steht das Sammlung aller Jamiroquai Meilensteine in den Regalen. Auch hier sind zwei feine neue Songs mit von der Partie. Außerdem lockt Jay K mit einer Sammlung aller Videos zu seinen Singles, was für mich den größten Kaufanreiz darstellt.
High times
Mittwoch, 25. Oktober 2006 06:38 Musik Maegz Kommentare (2)

Meine Damen und Herren, wenn ich kurz um Ihre Aufmerksamkeit bitten dürfte: Sollte irgendjemand von Ihnen im Bereich Jamiroquai nicht ganz vollständig sortiert sein, so bietet sich nun die Gelegenheit diesen Mißstand zu beheben. Am 6. November erscheint mit "High Times" eine Zusammenstellung aller Jamiroquai Singles von 1992 – 2006 inklusive der dazugehörigen Videos, darunter Klassiker der Musikvideo-Geschichte wie "Virtual insanity" (mit dem sich bewegenden Raum). Die "Live in Verona" DVD war zwar heiß, aber auf eine Compilation der Videos brenne und warte ich schon seit langem. Das Album hat unter den 18 Track auch zwei neue bisher unveröffentlichte Songs: Die erste Auskopplung "Runaway" und "Radio" welche beide sehr bewegungsfördernd klingen. Also schon mal den ersten November-Montag vormerken und die Tanzschuhe rausholen. Weiter gehts nach der Werbung...
Kontrastprogramm mit Delay
Sonntag, 8. Oktober 2006 23:54 Musik Maegz Kommentare (4)
Die Resonanz war nicht gerade überwältigend, denn in unserem Schwesterclub räumte eine 80er Nacht das tanzwütige Publikum ab. Bei mir hingegen lief ein als Damen-Handballmannschaft getarntes Rudel Kampflesben ein. Die wünschten sich dann was "zum tanzen" als gerade die H-Blockx liefen. Und so ging es die Nacht dann auch weiter... Kurz, nachdem die Polizei mit drei Streifenwagen und einem Bus gegen 3 Uhr noch ein paar Störenfriede eingesammelt hatte, war auch diese Nacht und die Hälfte des Wochenendes zu Ende.
Für Heute Abend stand dann Jan Delay auf dem Programm. Der beehrte uns im Zapata in Stuttgart. Erst einmal mit einer Stunde Verspätung. Aber war ja klar – bei dem Namen... (ich weiß, 5 Mark in die "Schlechte Wortspiel-Kasse"). Der hauseigene DJ war quasi das Vorprogramm und heizte mit Funk und Soul ein. Als Mr. Eißfeldt dann die Bühne betratt, gehörte das Publikum ihm. Was war das für ein grandioser Auftritt! Die ersten drei Songs (inklusive Intro) folgten der Chronologie des Albums "Mercedes Dance". Danach ältere Klassiker und Material vom neuen Album. Seine Band Disko No. 1 brachte die Halle mit knackigen Bässen, dampfenden Bläser-Arrangements und präzisem Funk-Rhythmus zum Kochen. Die Menge hüpfte, schwitzte und feierte eine einfach eine ausgelassene Riesenparty. Man kann Delay als Aufklärer im Rap sehen (immer wieder streute er tagesaktuelle politische Statements in seine Moderationen ein) aber er hat seine Fans im Griff – wahrlich ein Master of Ceremony. Er bezieht alle mit in seine Show mit ein, so dass man gar keine Chance hat, seinem Frontalangriff aus Funk und guter Laune zu entgehen. Er lebt seine Musik und das merkt man seinem Auftritt auch an. Endgültig am Überschnappen war die Menge, als er auf das Instrumental von Cameos "Word up" Türlich türlich von Das Bo brachte. Bass, Bass... Wir brauchen Bass! Und gleich darauf legte er mit einem Medley aus "Move your body" (Nina Sky), "I like to move it" (Real II Real) und "Conga" (Gloria Estefan) noch einen drauf. Die Luft brannte und war ungefähr so feucht wie im brasilianischen Regenwald. Als die beste Konzertbegleitung ever L. und ich das Zapata verließen, war mein T-Shirt nicht nur feucht sondern komplett durchnässt. Aber soll ich dem komplett nassen Chef vorne auf der Bühne etwa nachstehen?
Nur um das klarzustellen: Stuttgart ist ja für den deutschen Rap ungefährt das, was Jamaika für den Reggae darstellt: Die Wiege der Kultur. Aber die Grabenkämpfe zwischen Stuttgart, Frankfurt und Hamburg sind lange vorbei. Der Hamburger Jan Delay war in Stuttgart und das Publikum feierte frenetisch jeden einzelnen Song und für mich war es eines der besten Konzerte auf dem ich je war. Und das obwohl Jan Delay vor Mercedes Dance nicht so mein Ding war. Neben seinen Augenringen wirkt Karl Dall wie die geliftete Cher und dabei ist Delay auch noch ein Jahr jünger als ich. Und seine andauernd näselnde Stimme deutet auf ein ernstes HNO-Problem hin. Aber was er stimmungsmäßig auf die Platte und die Bühne zaubert ist einfach unglaublich. Diesem Funk kann sich keiner entziehen. Ich weiß, dass seine Platte von einigen renommierten Musikkritikern bereits in den Himmel gelobt wurde. Womöglich ein bißchen zu hoch. Aber live ist diese Musik einfach das Brett. Derber Funk, der brennt. Falls ihr noch die Möglichkeit habt ihn live zu sehen, ist das eine Pflichveranstaltung! Hingehen, hüpfen und das Geld fürs Fitness-Studio sparen.


Your Senf