Artikel mit Tag konzert
Grenzgänger
Montag, 22. Juni 2009 17:08 Musik, Unterwegs Maegz Kommentare (0)
Die letzten drei Tage waren wir Grenzgänger zwischen zwei Welten, die verschiedener nicht sein können: Auf der einen Seite die beschauliche Ruhe des kleinen Kurortes Bad Dürrheim mit Rentnern und Thermalbad; auf der anderen Seite bis zu 50.000 Kinder, die im Schlamm spielten und dabei jeder Menge guter Bands lauschten – das Southside Festival 2009.
Zum Southside kam ich, weil mir L. die Tickets zur großen Faith No More Reunion zum Geburtstag geschenkt hat. Übernachtung im Hotel statt im Zelt inklusive. War kein Fehler, wenn man sich den Campingplatz ansah. Uns erwartete ein ansonsten sauber organisiertes Festival, nur das Wetter wollte nicht so richtig mitspielen, deshalb gab es eben drei Tag Schlamm und Regen. Die Bands waren trotzdem sehenswert: Lily Allen war live genauso gut wie auf Platte, die Fleet Foxes genauso ätherisch folkig und Fettes Brot die gewohnt gutgelaunten Spaßmacher. Nur die Live-Band-Versionen der Brote Klassiker hätte ich mir manchmal mehr wie auf Platte gewünscht. Bettina ist eben eine Synthiesample-Gefiepse, da passt nicht plötzlich eine Jazz-Gitarre drauf. Die Ärzte… Tja die Ärzte. Was soll man dazu schreiben? Wirkten routiniert, aber vielleicht haben wir auch zu wenig gesehen, denn so richtig wollte mich der Zauber eines Auftritts der “besten Band der Welt” nicht erfassen. Sind nette Jungs, ohne Zweifel, nur den Auftritt fand ich nicht packend, wie den manch anderer Band.
Am zweiten Tag haben The Sounds für gute Stimmung gesorgt. Von den Schweden kannte ich bisher nur ein Album, aber jetzt kann ich sie auch live weiterempfehlen. Bei Nieselregen waren wir froh, dass unser nächster Favorit im Zelt spielte: Just Jack. Der zauberte nämlich gute Laune auf die überdachte Red Stage und zudem noch Sonne ins Herz. Gute-Laune-Musik mit Groove-Appeal und gegen Ende des Jahres ist auch ein neues Album am Start. Am Abend gab es dann noch die stilsicheren Briten von Franz Ferdinand (man hatte das Gefühl, das gesamte Festival hätte sich vor ihrer Bühne versammelt, so voll war es) und danach mit Disturbed noch die erste “richtige” Metalband. Knochtrocken aber mit absolut druckvollem Sound haben sie richtig gut abgeliefert, inklusive dem fantastischen Cover “Land of confusion”.
Am dritten Tag gab es erst einmal drei Damen am Mikro: Die Ting Tings (ganz ok, aber nicht umwerfend), Katy Perry (rhythmische Sportgymnastik mit schwacher Gesangseinlage) und Duffy (elegante Musik, gute Sängerin aber auf einem Festival ein bißchen fehl am Platz). Mit Social Distortion wurde dann wieder die Green Stage gerockt und als Höhepunkt gab es meine Über-Band Faith No More.
Die Blaupause aller Crossover-Acts der frühen Neunziger (so wage ich das mal zu bezeichnen) sind live fantastisch. Selbst der übliche FNM-Humor fehlte nicht. Wer sonst würde das Konzert wohl mit einem Mike Patton am Krückstock beginnen, der “Reunited” von Peaches & Herb singt? Genial der Text “I was a fool to ever leave your side, me minus you is such a lonely ride…”. Das passende unvermeidliche Greatest Hits Album heißt dann auch mit treffender Selbstironie “The Very Best Definitive Ultimate Greatest Hits Collection” und auf den T-Shirts zur Tour steht “The Second Coming”. Ja, das sind die alten Faith No More, wie wir sie lieben. Gespielt haben sie alle Klassiker, so bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass es keine schnelle “Wir brauchten das Geld” Nummer ist, sondern dass auch irgendwann ein neues Album folgt.
Massage mit zu wenig Sex
Montag, 29. Oktober 2007 12:25 Musik Maegz Kommentare (0)
Für die Statistik: Oktober
Donnerstag, 2. November 2006 12:33 Alltägliches Maegz Kommentar (1)
- Wort des Monats: Niiiice
- Stadt des Monats: Köln
- Alkoholexzesse: As usual
- Friseurbesuche: Keiner
- Handyrechung: Günstig
- Beste DVD/Film diesen Monat: Nacho libre
- Getränk: Wasser
- Essen: Lecker & manchmal gesund
- Entdeckung des Monats: Mein Zen-Garten
- Song des Monats: Chris Cornell "You know my name"
- Konzert des Monats: Jan Delay/Zapata/Stuttgart
- Hassobjekt des Monats: Die üblichen Verdächtigen
Kontrastprogramm mit Delay
Sonntag, 8. Oktober 2006 23:54 Musik Maegz Kommentare (4)
Die Resonanz war nicht gerade überwältigend, denn in unserem Schwesterclub räumte eine 80er Nacht das tanzwütige Publikum ab. Bei mir hingegen lief ein als Damen-Handballmannschaft getarntes Rudel Kampflesben ein. Die wünschten sich dann was "zum tanzen" als gerade die H-Blockx liefen. Und so ging es die Nacht dann auch weiter... Kurz, nachdem die Polizei mit drei Streifenwagen und einem Bus gegen 3 Uhr noch ein paar Störenfriede eingesammelt hatte, war auch diese Nacht und die Hälfte des Wochenendes zu Ende.
Für Heute Abend stand dann Jan Delay auf dem Programm. Der beehrte uns im Zapata in Stuttgart. Erst einmal mit einer Stunde Verspätung. Aber war ja klar – bei dem Namen... (ich weiß, 5 Mark in die "Schlechte Wortspiel-Kasse"). Der hauseigene DJ war quasi das Vorprogramm und heizte mit Funk und Soul ein. Als Mr. Eißfeldt dann die Bühne betratt, gehörte das Publikum ihm. Was war das für ein grandioser Auftritt! Die ersten drei Songs (inklusive Intro) folgten der Chronologie des Albums "Mercedes Dance". Danach ältere Klassiker und Material vom neuen Album. Seine Band Disko No. 1 brachte die Halle mit knackigen Bässen, dampfenden Bläser-Arrangements und präzisem Funk-Rhythmus zum Kochen. Die Menge hüpfte, schwitzte und feierte eine einfach eine ausgelassene Riesenparty. Man kann Delay als Aufklärer im Rap sehen (immer wieder streute er tagesaktuelle politische Statements in seine Moderationen ein) aber er hat seine Fans im Griff – wahrlich ein Master of Ceremony. Er bezieht alle mit in seine Show mit ein, so dass man gar keine Chance hat, seinem Frontalangriff aus Funk und guter Laune zu entgehen. Er lebt seine Musik und das merkt man seinem Auftritt auch an. Endgültig am Überschnappen war die Menge, als er auf das Instrumental von Cameos "Word up" Türlich türlich von Das Bo brachte. Bass, Bass... Wir brauchen Bass! Und gleich darauf legte er mit einem Medley aus "Move your body" (Nina Sky), "I like to move it" (Real II Real) und "Conga" (Gloria Estefan) noch einen drauf. Die Luft brannte und war ungefähr so feucht wie im brasilianischen Regenwald. Als die beste Konzertbegleitung ever L. und ich das Zapata verließen, war mein T-Shirt nicht nur feucht sondern komplett durchnässt. Aber soll ich dem komplett nassen Chef vorne auf der Bühne etwa nachstehen?
Nur um das klarzustellen: Stuttgart ist ja für den deutschen Rap ungefährt das, was Jamaika für den Reggae darstellt: Die Wiege der Kultur. Aber die Grabenkämpfe zwischen Stuttgart, Frankfurt und Hamburg sind lange vorbei. Der Hamburger Jan Delay war in Stuttgart und das Publikum feierte frenetisch jeden einzelnen Song und für mich war es eines der besten Konzerte auf dem ich je war. Und das obwohl Jan Delay vor Mercedes Dance nicht so mein Ding war. Neben seinen Augenringen wirkt Karl Dall wie die geliftete Cher und dabei ist Delay auch noch ein Jahr jünger als ich. Und seine andauernd näselnde Stimme deutet auf ein ernstes HNO-Problem hin. Aber was er stimmungsmäßig auf die Platte und die Bühne zaubert ist einfach unglaublich. Diesem Funk kann sich keiner entziehen. Ich weiß, dass seine Platte von einigen renommierten Musikkritikern bereits in den Himmel gelobt wurde. Womöglich ein bißchen zu hoch. Aber live ist diese Musik einfach das Brett. Derber Funk, der brennt. Falls ihr noch die Möglichkeit habt ihn live zu sehen, ist das eine Pflichveranstaltung! Hingehen, hüpfen und das Geld fürs Fitness-Studio sparen.


Your Senf