Das Leben erinnert einen manchmal daran, dass es neben den eigenen Planungen auch noch existiert. Und ab und zu eben auch der Tod. Während man noch ganz mit seinem Alltag beschäftigt ist, stirbt an einem sonnigen Frühlingsnachmittag eine junge Polizistin in der eigenen Stadt. Ihr Kollege sollte wohl ebenfalls ermordet werden, ringt aber nach dem Kopfschuss bislang noch mit dem Tod.
Die Nachricht traf mich unvermittelt wie ein Schlag in die Magengrube. Über ein Nachrichtenportal erfuhr ich, was sich vor wenigen Stunden in meiner Heimatstadt ereignet hatte. Der erste Gedanken galt denen, die man bei der Polizei kennt. Einige Anrufe später zumindest die Sicherheit, dass im Bekannten- und Freundeskreis alles in Ordnung war. Zu diesem Zeitpunkt aber ist Heilbronn schon hermetisch abgeriegelt, schwerbewaffnete Einheiten kontrollieren die ganze Stadt und Hubschreiber kreisen darüber. Diese gespenstische Szenerie wird überlagert von dem fast allgegenwärtigen Geheul der Sirenen.
So wenig wie man bis jetzt über die Hintergründe der Tat weiß, so sinnlos ist der Tod einer jungen Frau, die sich beruflich dafür einsetzte, eine Stadt sicherer zu machen. "Sichere City" heißt das Programm, das seit Jahren in Heilbronn Drogenabhängige, Kleinkriminelle und Betrunkene von der Straße treibt. Die dazugehörigen Personenkontrollen zeigen Erfolg, das Stadtbild ist merklich sauberer und sicherer geworden. Aber wie auch bei Verkehrskontrollen bergen sie das Risiko, unter Umständen Gestalten ans Tageslicht zu holen, die nicht konrolliert werden wollen und dies mit Gewalt verhindern. Aufgesetzte Kopfschüsse sind ein ziemlich sicheres Indiz, dass der oder die Täter wussten, was taten. Ein Anriff auf die Polizei, die uns vor eben diesen Kriminellen schützen soll, ist ein Angriff auf die zivile Gesellschaft - also auf uns alle. Diese Verletzlichkeit so blutig vor Augen geführt zu bekommen tut weh und erinnert einen daran, die eigenen Prioritäten im Leben mal wieder zu überprüfen.
Seit Jahren sinkt die Hemmschwelle von Kriminellen mit brutaler Gewalt auch gegen Polizisten vorzugehen. Früher gab es eine Art Moral, die solche Auswüchse undenkbar machten. Aber allein 394 durch Straftäter verletzte Polizisten im Südwesten (im Jahr 2006) sprechen eine deutliche Sprache. Ein Menschenleben zählt heute anscheinend nichts mehr. Und diejenigen, die andere zu schützen versuchen werden als erstes zu Zielscheiben.
Es ist ein warmer sonniger Apriltag, als eine junge Polizistin in meiner Heimatstadt ihr Leben verliert, weil ihre Mörder sich nicht in unsere Gesellschaft integrieren können oder wollen. Für solche Subjekte sollte in unserer Mitte kein Platz sein – Nicht am Rande der Gesellschaft und auch nicht in Gefängnissen.
Your Senf